Freitag, 11. April 2014

Poetischer Blick auf Quilts


"Ich habe mein Leben lang viel Trost beim Nähen meiner Quilts erfahren. Und jetzt, wo ich alt bin, gebe ich sie für kein Geld der Welt wieder her...
Sieh mal, manche Leute füllen ganze Alben mit Bildern von Menschen, nur damit sie sich später an sie erinnern. Andere tragen ein Buch herum und schreiben alles auf, damit sie ja nicht vergessen, was ihnen so den Tag über passiert ist.
Meine Quilts, Kindchen, meine Quilts sind mein Album und mein Tagebuch. Wenn das Wetter so schlecht ist, dass ich nicht hinausgehen und Leute treffen kann, dann breite ich meine Quilts aus und sehe sie mir an, ich studiere sie regelrecht. Und dann ist mir, als würde ich fünfzig oder sechzig Jahre zurückgehen und mein Leben noch einmal leben."

Elisa Calvert Hall, 1898


"Aus der alten Stimme klang so etwas wie leidenschaftlicher Eifer. Am liebsten hätte sie ihren Schatz versteckt, als würde allein der Gedanke, sie könnte ihn verlieren, sie um seine Sicherheit bangen lassen. Ich sah wieder auf den Stapel mit ihren Quilts. Eine Stunde zuvor waren es noch Patchworkdecken gewesen und nicht mehr. Aber nun! Die Worte der alten Frau hatten für mich diese Menge von Baumwolle, Seide und Stoffresten vollständig verwandelt. Patchwork? Oh nein! Es war Erinnerung, Phantasie, Geschichte, Biografie, Freude, Leid, Philosophie, Religion, Schwärmerei, Realität, Leben, Liebe und Tod; und über allem, wie ein heller Schein, die Liebe der Künstlerin für ihre Arbeit und die Sehnsucht ihrer Seele nach Unsterblichkeit.

Eliza Calvert Hall, 1898 ebd. 


Textquelle: Seward, Linda Das große Buch von Patchwork Quilt und Applikation
  Viele Grüße von Cosmee
     


Kommentare:

  1. Hm... grübel... ich trage am liebsten die Erinnerungen an Menschen im Herzen und sonst nirgends. Denn für mich kann kein Quilt so schön sein, daß er die schönsten Momente auch nur annähernd wiedergeben könnte.

    Nana

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    1. Hallo Nana, schon wieder zurück aus Wien?

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